Pressemitteilung: Vom Bildungsland zur Bildungswüste

Bildungsqualität auf dem Weg in den Abgrund

„Die Situation ist dramatisch …. aber alle gehen zur Tagesordnung über, als seien die
Probleme gelöst oder ständen kurz vor einer Lösung“, stellte die Vorsitzende des
Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland e.V. (ASD), Gudrun Wolters-Vogeler,
zusammenfassend im Laufe der Frühjahrstagung des Schulleitungsverbandes in Weimar
fassungslos fest.

Sie bezieht sich damit z. B. auf den Sanierungs- und Schulbaustau, die Umsetzung der Inklusion in
den Ländern, den Ausbau von Kitaplätzen und Ganztagsschulen und den Stand des digitalen
Ausbaus in den Schulen.

Als besonders schwerwiegend wird seit Monaten auch in der Öffentlichkeit der Lehrermangel in
allen Bundesländern wahrgenommen. Es gibt kein Bundesland, in dem nicht mindestens in einer
Schulform ein massiver Mangel an Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal zu
verzeichnen ist.

Das Gefühl, dass in diesem Bereich bundesweit „Land unter“ signalisiert wird, wurde auch vom
Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Minister für Bildung, Jugend und Sport
Helmut Holter auf der Bundestagung des ASD am Wochenende geteilt. Er räumte zudem ein, dass
in den Bundesländern eine sachgerechte Personalplanung über Jahre von der Politik
vernachlässigt wurde.

Diese Lücken werden in den nächsten zehn Jahren nicht zu schließen sein. Es fehlen nicht nur
zehntausende ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, sondern inzwischen auch das notwendige
Interesse junger Leute für den Beruf der Lehrkraft. Dieser wird zunehmend als unattraktiv
empfunden. Die Gründe liegen vor allem in der überholten Besoldungsstruktur und den
Rahmenbedingen, angefangen mit der fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung bis hin zu den
häufig desolaten hygienischen und baulichen Zuständen in den Schulen.

Besonders betroffen sind hiervon Grundschulen, Förderschulen und Schulen im sozialen
Brennpunkt und im ländlichen Bereich.

Schulleitungen sehen sich zunehmend außerstande, diese Missstände zu verwalten. Dies wirkt sich
inzwischen auch auf die Besetzung von Schulleitungsstellen auf.
Immer mehr Schulleitungen und Kollegien melden untragbare Überbelastungen.
Zudem fühlen sich diese weitgehend von der Politik und den Schulaufsichten mit den Problemen
allein gelassen.

„Die Schulleiterinnen und Schulleiter sind vor diesem Hintergrund kaum noch in der Lage, die
Qualität von Unterricht zu gewährleisten“, stellte die Vertreterin des Schulleitungsverband
Niedersachsens (SLV Niedersachsen), Andrea Kunkel, fest.

Der Einsatz von Lehrern und Lehrerinnen aus EU-Ländern und nicht pädagogisch qualifizierten
Seiteneinsteiger*innen helfen in dieser Situation nur sehr begrenzt weiter. „Deren Einsatz geht
primär zu Lasten der Schülerinnen und Schüler, laugt aber zudem die dadurch zusätzlich
belasteten Kollegien und Schulleitungen aus“, stellten die Ländervertreter in Weimar
übereinstimmend fest.

Diese ständige Überbelastung führt absehbar zu weiterem Stundenausfall und gefährdet
langfristig die Gesundheit aller Beteiligten. Die Folge ist ein weiterer Qualitätsrückgang von
Bildung und Erziehung in den Schulen.

Dem gegenüber steht neben dem Anspruch der Bildungsrepublik und dem eigenen Anspruch der
Schulen eine zunehmend anspruchsvolle und fordernde Elternschaft, die die Bildung ihrer Kinder
gefährdet sieht. Wir teilen diese Einschätzung, dass nur mit qualifiziertem pädagogischen Personal
das bildungspolitischen Ziel erreicht werden kann.

Der ASD fordert ein sofortiges Umdenken und einen sichtbaren Kurswechsel der Bildungspolitik in
Bund und Ländern.

  • Der Beruf der Lehrkraft muss wieder attraktiv werden. Gleiches gilt für die Berufe des weiteren pädagogischen Personals (z.B. Erzieher, Sozialpädagogen…)
  • Gefordert wird im Hinblick auf die aktuellen Erfordernisse eine bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen mit personellen und sächlichen Ressourcen.
  • Eine Reform der Lehrerausbildung, sowohl im universitären und als auch im praktischen Bereich, sowie die Ausschöpfung aller Ausbildungskapazitäten.

Es ist zudem dringend erforderlich, dass Schule und der Beruf der Lehrkraft wieder die notwendige
Anerkennung und Wertschätzung in der Gesellschaft und durch die Politik erhalten.
Darin waren sich die Vertreter der Länder und der Präsident der KMK einig.

gez.
Gudrun Wolters-Vogeler
Vorstandsvorsitzende

Siehe auch:
https://bildungsklick.de/schule/meldung/vom-bildungsland-zur-bildungswueste/