Der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschlands (ASD) sieht im Bildungsbericht 2026 eine eindring-
liche Bestätigung dessen, was Schulleiterinnen und Schulleiter seit Jahren erleben: Die Herausforde-
rungen für Schulen wachsen schneller als die verfügbaren Ressourcen. Der Bericht beschreibt ein Bil-
dungssystem, das zunehmend unter den Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen steht und immer
häufiger Aufgaben übernehmen muss, die weit über den klassischen Bildungsauftrag hinausgehen.
Steigende soziale Ungleichheiten, Kompetenzrückgänge, Fachkräftemangel, Integration, Inklusion,
Ganztagsausbau, Digitalisierung und wachsende psychosoziale Belastungen von Kindern und Jugendli-
chen treffen gleichzeitig auf Schulen. Für den ASD wird damit deutlich: Die Probleme des Bildungssys-
tems liegen längst nicht mehr ausschließlich innerhalb des Bildungssystems.
„Der Bildungsbericht 2026 macht deutlich, dass wir kein Erkenntnisproblem mehr haben. Die Heraus-
forderungen sind bekannt, die Daten liegen auf dem Tisch und die Problemlagen werden seit Jahren
beschrieben. Was fehlt, ist die konsequente Umsetzung der notwendigen politischen Konsequenzen“,
erklärt Sven Winkler, Vorsitzender des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschlands.
Besonders besorgniserregend bewertet der Verband die weiterhin starke Abhängigkeit von Bildungs-
erfolg und sozialer Herkunft. Der Bericht zeigt erneut, dass viele Unterschiede bereits lange vor der
Einschulung entstehen und sich im weiteren Bildungsverlauf häufig verfestigen. Gleichzeitig werde von
Schulen erwartet, diese gesellschaftlichen Ungleichheiten auszugleichen.
„Schulen leisten hier Tag für Tag Außergewöhnliches. Aber Schule allein kann gesellschaftliche Un-
gleichheiten nicht beseitigen. Wer Bildungsgerechtigkeit fordert, muss auch über Kinderarmut, Fami-
lienunterstützung, Gesundheitsversorgung, Integration und soziale Teilhabe sprechen. Bildungspolitik
darf nicht länger isoliert betrachtet werden.“
Nach Auffassung des ASD verdeutlicht der Bildungsbericht, dass insbesondere Schulen in herausfor-
dernden Sozialräumen vor Aufgaben stehen, die mit den vorhandenen Ressourcen kaum noch zu be-
wältigen sind. Deshalb fordert der Verband eine verbindliche und bundesweit konsequente Orientie-
rung der Ressourcenzuweisung an sozialen Belastungsfaktoren.
„Gleiche Ressourcen führen unter ungleichen Bedingungen nicht zu gleichen Chancen. Wer mehr In-
tegration leisten muss, wer mehr Sprachförderung benötigt und wer mehr Kinder aus belasteten Le-
benslagen begleitet, braucht auch mehr Personal, mehr Zeit und mehr Unterstützung. Chancengerech-
tigkeit entsteht nicht durch Gleichverteilung, sondern durch bedarfsgerechte Förderung.“
Mit großer Sorge blickt der ASD zudem auf die anhaltenden Kompetenzrückgänge in zentralen Berei-
chen wie Lesen, Mathematik und digitalen Kompetenzen. Diese Entwicklung gefährde nicht nur indivi-
duelle Bildungsbiografien, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Landes insgesamt.
„Wenn immer mehr junge Menschen die Mindeststandards nicht erreichen, dann sprechen wir nicht
nur über Schule. Wir sprechen über die zukünftige Fachkräftesicherung, über wirtschaftliche Leistungs-
fähigkeit und letztlich auch über die Stabilität unserer demokratischen Gesellschaft.“
Der Verband weist darauf hin, dass Schulen in den vergangenen Jahren immer mehr zusätzliche Auf-
gaben übernommen haben. Neben der Vermittlung von Bildung leisten sie Integrationsarbeit, Prävention, Demokratiebildung, Berufsorientierung, Gesundheitsförderung und Krisenbewältigung.
Viele Schulen seien längst zu zentralen sozialen Ankerpunkten in ihren Stadtteilen geworden.
„Viele Schulen sind heute weit mehr als Lernorte. Sie sind oft die letzte dauerhaft verlässliche Institu-
tion im Lebensumfeld vieler Kinder und Jugendlicher. Diese gesellschaftliche Bedeutung wird politisch
anerkannt, die notwendige Ausstattung bleibt jedoch vielerorts hinter den Erwartungen zurück.“
Als zweite zentrale Forderung verlangt der ASD deshalb den konsequenten Ausbau multiprofessionel-
ler Teams. Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, pädagogische Fachkräfte, Integrationshilfen und wei-
tere Professionen müssten flächendeckend und dauerhaft finanziert werden.
„Lehrkräfte können die komplexen Herausforderungen moderner Schulen nicht allein bewältigen.
Multiprofessionelle Teams sind längst kein Zusatzangebot mehr, sondern eine Grundvoraussetzung
erfolgreicher Bildungsarbeit.“
Darüber hinaus fordert der Verband eine umfassende Stärkung der Schulleitungen. Der Bildungsbe-
richt beschreibe zahlreiche Entwicklungen, die unmittelbar auf den Schultern schulischer Führungs-
kräfte landen. Schulleiterinnen und Schulleiter führen heute große Organisationen, verantworten Per-
sonalentwicklung, Digitalisierung, Ganztag, Inklusion, Integration, Qualitätsentwicklung und Krisenma-
nagement.
„Die Stärkung von Schulleitungen ist keine Standesforderung. Wer leistungsfähige Schulen will,
braucht leistungsfähige Führung. Gute Schulen entstehen nicht zufällig. Sie entstehen dort, wo enga-
gierte Menschen Verantwortung übernehmen können und dafür die notwendigen Rahmenbedingun-
gen erhalten.“
Dazu gehören aus Sicht des ASD insbesondere mehr Leitungszeit, professionelle Verwaltungsunter-
stützung, bessere Qualifizierungsangebote sowie verbindliche Unterstützungs- und Beratungssysteme
für Schulleitungen.
Abschließend appelliert der Verband an Bund, Länder und Kommunen, die Ergebnisse des Bildungsbe-
richts als Auftrag zum Handeln zu verstehen.
„Der Bildungsbericht beschreibt keine kurzfristige Krise. Er beschreibt einen tiefgreifenden Wandel un-
serer Gesellschaft und seiner Auswirkungen auf Bildung. Die Frage ist nicht mehr, ob wir handeln müs-
sen. Die Frage ist, ob wir bereit sind, die notwendigen Investitionen und Strukturentscheidungen jetzt
zu treffen. Bildung ist keine Belastung für den Staatshaushalt. Bildung ist die wichtigste Zukunftsinves-
tition unseres Landes.“
