Deutschlands Schulleitungen tragen das System – aber wie lange noch?


Oldenburg, 3. Juni 2026

Schulleitungsmonitor 2025/2026 bestätigt wachsende Belastung schulischer Führungskräfte


Der ASD sieht sich durch die Ergebnisse des aktuellen Schulleitungsmonitors
Deutschland 2025/2026 in seinen langjährigen Forderungen bestätigt. Die Studie zeigt, dass Schullei-
ter:innen ihren Beruf weiterhin mit hoher Motivation und großer Identifikation ausüben. Gleichzeitig
berichten sie von einer zunehmenden Arbeitsverdichtung, steigenden Anforderungen und einer wach-
senden strukturellen Überlastung.

„Die Ergebnisse sind eindeutig: Deutschlands Schulleitungen stehen weiterhin mit großem Engage-
ment für ihre Schulen ein. Das eigentliche Problem liegt nicht in fehlender Motivation, sondern in Rah-
menbedingungen, die mit den gewachsenen Anforderungen nicht Schritt gehalten haben“, erklärt
ASD-Vorsitzender Sven Winkler. „Wer die Zukunft unseres Bildungssystems sichern will, muss die Ar-
beitsbedingungen von Schulleitungen endlich zu einer bildungspolitischen Priorität machen.“

Der ASD weist darauf hin, dass sich die Rolle von Schulleitungen in den vergangenen Jahren grundle-
gend verändert hat. Schulen übernehmen heute weit mehr als die Vermittlung von Bildung. Fragen der
Integration, Inklusion, Sprachförderung, Prävention, Digitalisierung, des Kinderschutzes sowie der Un-
terstützung psychisch belasteter Kinder und Jugendlicher prägen zunehmend den schulischen Alltag.
Gleichzeitig werden von Schulleitungen umfangreiche Aufgaben der Personalführung, Organisations-
entwicklung und Qualitätssteuerung erwartet. Diese Entwicklung spiegelt sich nach Auffassung des
ASD bislang jedoch nicht ausreichend in den vorhandenen Ressourcen wider.

Besonders kritisch bewertet der Verband die weiterhin hohe Belastung durch Verwaltungs- und Doku-
mentationsaufgaben. Viele Schulleitungen verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Be-
richtspflichten, statistischen Erhebungen und administrativen Prozessen. Zeit für pädagogische Füh-
rung, Unterrichtsentwicklung und die Begleitung von Schulentwicklungsprozessen gehe dadurch zu-
nehmend verloren. Aus Sicht des ASD braucht es deshalb einen konsequenten Bürokratieabbau, eine
kritische Überprüfung bestehender Vorgaben sowie geeigneter personeller Unterstützung.

Mit Sorge blickt der Verband auch auf die Situation vieler Schulen in sozial herausfordernden Lagen.
Dort seien die Belastungen häufig besonders hoch, während gleichzeitig die gesellschaftliche Bedeu-
tung dieser Schulen stetig wachse. „Schulen in schwierigen Sozialräumen leisten jeden Tag einen ent-
scheidenden Beitrag für Integration, Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer
Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss diese Schulen gezielt stärken und mit zusätzlichen Ressourcen
ausstatten“, so Winkler.

Der ASD sieht darüber hinaus dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau multiprofessioneller Unter-
stützungssysteme. Schulen könnten die Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen nicht länger al-
lein mit Lehrkräften und Schulleitungen bewältigen. Erforderlich seien dauerhaft verfügbare Unter-
stützungsstrukturen, die Schulen in ihrer täglichen Arbeit entlasten und stärken.

Auch der Gesundheitsschutz von Schulleitungen müsse stärker in den Fokus rücken. Der Schulleitungs-
monitor zeige erneut, dass viele Führungskräfte dauerhaft an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeite-
ten. Lange Arbeitszeiten, hohe Verantwortung und eine zunehmende Entgrenzung beruflicher

Anforderungen seien für viele Schulleitungen zur Normalität geworden. „Das deutsche Bildungssystem
lebt derzeit in hohem Maße vom außerordentlichen persönlichen Engagement seiner Schulleiterinnen
und Schulleiter. Auf Dauer ist das jedoch kein tragfähiges Modell“, betont Winkler.

Abschließend appelliert der ASD an Bund, Länder und Schulträger, die Ergebnisse des Schulleitungs-
monitors als bildungspolitischen Handlungsauftrag zu verstehen. „Gute Schulen brauchen gute Schul-
leitungen. Und gute Schulleitungen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichend Ressour-
cen und das Vertrauen, ihre Schulen eigenverantwortlich gestalten zu können. Die Zukunft unserer
Schulen entscheidet sich nicht zuletzt an den Bedingungen, unter denen Führung stattfinden kann“,
erklärt Winkler.