Der nationale Aktionsplan für "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" ist verabschiedet - wir der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschland e.V. (ASD) sind dabei!

Der ASD begrüßt die Initiative der UNESCO mit der Charta 2030 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele zu definieren. Weiter unterstützt der ASD die Inhalte der Bildungsagenda 2030 und damit verbunden eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle und damit die Möglichkeit lebenslangen Lernens. Wir stimmen mit dem UN-Generalsekretär Ban Kin-moon überein, dass in diesem globalen Prozess „niemand zurückgelassen werden darf“.

Für uns hat Bildung im Kern die Aufgabe, Heranwachsenden zu vermitteln, dass sie etwas können, und dass sie wertvoll sind! Die Schule ist ein originärer Ort, an dem dies zu vermitteln ist. Eine Aufgabe von Schulleitung ist es, den Rahmen hierfür zu entwickeln.

Es ist mittlerweile unübersehbar geworden, dass WIR in den nächsten Jahren nicht mehr in der Lage sein werden, mit den Antworten von heute die Fragen von morgen zu beantworten.
Es ist an der Zeit, die Verantwortung für die immensen, von Menschen verursachten Probleme zu übernehmen und nachhaltige komplexe Lösungen zu entwickeln. Es geht darum, die Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen zu erhalten. Mit großer Sorge sehen wir den Einfluss bildungsökonomischer Institutionen, die Bildung ausschließlich als quantitativ messbaren Lernerfolg versteht und diese primär auf ihre ökonomische Verwertbarkeit hin betrachtet und einfordert. Dieser Fehlentwicklung, der einseitigen Verkürzung des Bildungsbegriffs, erteilen wir eine deutliche und kritische Absage.

Der ASD hat ein ganzheitliches Verständnis von Bildung, das die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt, deren Stärken stärkt und den Menschen befähigt, ein selbstbestimmtes, erfülltes und verantwortungsvolles Leben zu führen. Deshalb wird es unumgänglich sein, einen nachhaltigen Bildungsbegriff zu definieren, sowie eine globale zukunftsorientierte Humanismusdebatte aufzuwerfen. Nur auf dieser Basis wird sich perspektivisch eine Haltung entwickeln lassen, die die Kultur von Schulen in einen globalen nachhaltigen Bildungsprozess transformiert.

Darüber hinaus nehmen wir die Dialektik globaler Digitalisierung im Kontext von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit wahr und sehen, dass die Dimensionen Nutzen und Schaden fachwissenschaftlich unzureichend geklärt sind. Angeführt sei hier nur die digitale Spaltung der Gesellschaft sowie die Problemfelder Mediensucht und Cybermobbing. Hier sehen wir deutlichen Klärungsbedarf und die Entwicklung einer klaren Haltung.

Im Namen des gesamten Schulleitungsverbands fordert die Vorsitzende Frau Gudrun Wolters-Vogeler für die Umsetzung von „BNE“: „Es müssen für die Umsetzung von BNE adäquate, finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden!“

Die Umsetzung von BNE kann nur gelingen, wenn folgende Gesichtspunkte berücksichtigt werden:

  • die interdisziplinäre Anpassung und Änderung der Curricula mit Aspekten der global education skills
  • die Erweiterung der drei 3 Bereiche der global education skills (Grundkenntnisse, Kompetenzen, charakterliche Qualitäten) um die Aspekte
    • Tugenden: Mäßigung/ Bescheidenheit, Tapferkeit, Güte, (Mit)-Menschlichkeit, Wahrhaftigkeit
    • Klärung der Formen der Kritik und Aspekte des Widerstandes
  • die Anpassung der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung
  • die Ausbildung von Schulleitungen in Modulen des global education leadership
  • die Neustruktur von Schule in den Bereichen Führung, Organisation, Raum und Lernen

Schulleitungen werden lernen, mit Brüchen, Disruptionen und Beschleunigungen, chaoskompetent und kreativ und für ihre Schule zu agieren und alles in einem Entwicklungsfluss zu halten, wenn sie hierfür künftig ausreichend Zeit und Unterstützung erhalten. Hier sehen wir auf Länderebene dramatischen Anpassungsbedarf, besonders in den kleinen Schulsystemen. Möglicherweise gelingt uns der Paradigmenwechsel in eine echte konkurrenzfreie Kooperation im Bilde regionaler, überregionaler und globaler Bildungslandschaften. Wir sollten es unsern Schülern vorleben.

Die Menschheit muss nicht exponentiell klüger werden, das sehen wir in den vielen wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften. Es ist aber an der Zeit, weiser zu werden.
Wir sind aufgefordert, den kategorischen Imperativ bewusst in die kollektive Ebene zu verschieben: Handelt so, dass die Menschheit in 100.000 Jahren noch in der Lage ist, auf der Erde ein gelingendes und lebenswertes Leben zu führen. Es geht um unser aller Zukunft, im Besonderen die der Kinder! Dies ist unsere originäre Aufgabe, unsere globalgesellschaftliche Verantwortung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!