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ASD fordert Verwaltungsleiter als Regelausstattung für allgemeinbildende Schulen!

Neue Konzepte für eine Neuorganisation des nichtpädagogischen Personals sind überfällig.

Es wird Zeit für eine Reformoffensive zur grundlegenden Neugestaltung des verwaltungstech-nischen Bereichs an den allgemeinbildenden deutschen Schulen. Die bildungspolitische De¬batte der letzten Jahre in der Bundesrepublik Deutschland hat zumeist nur sehr marginal die gravierenden Defizite im verwaltungstechnischen Bereich in den Focus ihrer Aufmerksamkeit gerückt Dies muss umso mehr verwundern, als im bildungs- und gesellschaftlichen Diskurs niemand ernsthaft bestreiten wird, dass die Arbeitsbelastung von Schulleitungen durch die Fülle von schulischen und schulpolitischen Reformen bis an die Grenze des Leistbaren aus¬gedehnt wurde. Leider wurde hingegen versäumt, die administrative Infrastruktur an den Schu¬len den sich dynamisch entwickelnden Veränderungsprozessen anzupassen.

Die Folgen dieser Versäumnisse machten die Ergebnisse einer bundesweit übergreifend an-gelegten Studie der Leuphana Universität Lüneburg seit Ende 2012 überdeutlich. Neben Nord-rhein-Westfalen wurde die Studie in onlinegestützter Form auch in Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein umgesetzt. Die Ergebnisse der Erhebung unter Berliner Schulleitungen zeigen dramatische Ergebnisse. So sehen sich 75 Prozent der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter schon durch die bloße Arbeitsmenge am höchsten belastet, von Verordnungen der ministeriellen Ebene, der Schulaufsicht und der administrativen Tätigkeiten, fühlen sich 70 bzw. 60 Prozent erheblichen Belastungen ausgesetzt. Besonders aufschlussreich und kei-neswegs weniger alarmierend sind die Ergebnisse bezüglich des Erreichens des Pensionsal-ters. Lediglich ca. ein Drittel der Schulleitungen äußerten sich zuversichtlich. die Arbeit bis zum Pensionsalter leisten zu können(1). Unsicher äußerten sich diesbezüglich 43 Prozent, während 20 Prozent dies verneinten.

Der ASD bewertet diese Ergebnisse vor allem als Folge der zunehmenden Verlagerung von Haushaltsangelegenheiten sowie von organisatorischen und administrativen Aufgaben von der Behördenebene auf die Schule.

Schulen nehmen sozialstaatliche Aufgaben wahr

Durch vielfältige Initiativen und Kooperationen wie z.B. die Arbeit im Quartiersmanagement der jeweiligen Gemeinde wie auch das Angebot und die Organisation von Maßnahmen im Rahmen des „Bildungs- und Teilhabe-Pakets' nehmen die Schulen inzwischen auch sozial¬staatliche Aufgaben wahr. Weitere. gravierende Belastungsfaktoren für die tägliche Arbeit der Schulleitungen sind nach wie vor mangelhafte oder gar fehlende Konzepte und finanzielle Mit¬tel zur Umsetzung der weit gesteckten Integrationsaufgaben, die von den Kultusministerien neuerdings als „normaler Regelfall" der schulischen Bildung und Betreuung verkauft werden, ohne dass auch nur ansatzweise die unumgänglichen Ressourcen bereitgestellt werden. Hinzu kommt das bislang kaum zu lösende Problem einer adäquaten Beschulung und Betreu¬ung der Flüchtlingskinder. Verschärft wir die Problemlage durch völlig unzureichende Leitungs¬zeiten und skandalöse Besoldungsstrukturen vor allem im Grundschulbereich.
Eine weiter andauernde Untätigkeit der politisch Verantwortlichen in diesem hochgradig be-lasteten Arbeitsfeld wird eine ständig wachsende Zahl von Schulen in gefährliche, wenn nicht sogar irreversible Schieflagen bringen.

Das „Berliner Modell" zeigt neue Wege auf

Was ist zu tun? Innovative und richtungsweisende Beispiele finden wir gleich in mehreren. teils sogar benachbarten europäischen Staaten. Weit gediehen sind beispielgebende Bedingungen in der Schweiz, in England sowie in außereuropäischen Staaten wie Australien und Südafrika.

Für die Schulen in Deutschland fordert der ASD eine zeitnahe Reformierung bzw. einen be-schleunigten Ausbau der administrativen Infrastruktur, das gesamte nichtpädagogische Per-sonal umfassend.

Schwerpunkt unserer Forderungen ist dabei die Einrichtung von regulären Planstellen im Be-amten oder Angestelltenbereich für die Position des Verwaltungsleiters oder der Verwaltungs-leiterin, vorzugsweise an den allgemeinbildenden Schulen. Beispielgebend könnte das „Berli¬ner Modell" sein, das seit zwei Jahren in die Praxis umgesetzt wird. (s. dazu den Artikel: „Er¬hebliche Entlastung" von Michael Smosarski in der b:sl-Ausgabe v. Januar 2016).

Der ASD fordert — in Anlehnung an das „Berliner Modell-- in einem ersten Schritt die Einrich-tung von Verwaltungsleiterstellen an den allgemeinbildenden Schulen ab einer Größenord¬nung von 700 Schülern auf der Grundlage eines verbindlichen Masterplans, der sowohl eine präzise Beschreibung des neuen Aufgabenkreises und des Arbeitsgebietes, der beamten¬rechtlichen und tarifrechtlichen Eingruppierung sowie der dienstrechtlichen Stellung ein¬schließlich von Festlegungen bezüglich der Weisungsbefugnis gegenüber anderen Dienstkräf¬ten beinhaltet. Bestandteil des Masterplans sind überdies die Erstellung einer verbindlichen Zeitleiste. die Auskunft über den geplanten Termin für die neuen Stellenbesetzungen gibt.

Das Arbeitsgebiet des Verwaltungsleiters — hier in Form einer Zusammenfassung — umfasst folgende Aufgaben:

  1. Koordination des Einsatzes des Verwaltungspersonals der Schule,
  2. Regelung von Haushaltsangelegenheiten der Schule.
  3. Koordinierende Aufgaben der Hausverwaltung und der Inventarisierung.
  4. Unterstützung der Schulleitung in allen Aufgaben der Verwaltung,
  5. Wahrnehmung von Personalführungsaufgaben für das Verwaltungs- und gebäudebetreu-ende Personal einschließlich der Schulsekretärinnen und Schulsekretäre.

Das Aufgabengebiet soll mindestens als das einer/s Amtsinspektorin/inspektors der BesGr. A 9 S ausgewiesen sein.

Umfassende Kenntnisse über gesetzliche Rahmenbedingungen sowie verwaltungsrechtliche Verfahrensweisen und Erfahrungen in der Personalführung werden vorausgesetzt.

Zur Vermeidung von möglichen Kompetenzstreitigkeiten oder unnötigen Reibungsverlusten in den verwaltungstechnischen Arbeitsabläufen sind die Aufgaben- und Arbeitsbereiche der Schulsekretariate von denen der Verwaltungsleitungen klar abzugrenzen. Darüber hinaus muss im Interesse der Sicherstellung von effektiven Verwaltungs- und Arbeitsabläufen die Möglichkeit einer flexibel gestalteten Weisungskompetenz durch die Schulleitung sicherge-stellt sein.

Eine erfolgversprechende Reform administrativer Strukturen muss jedoch über die Etablierung von Verwaltungsleitern hinaus den gesamten verwaltungstechnischen Bereich in den Blick nehmen. Das gilt insbesondere für die Organisation der Schulsekretariate sowie für die Orga-nisation der Arbeitsabläufe im Bereich der Schulhausmeister. In diesen derzeit durchaus defi-zitären Bereichen werden ohne eine durchgreifende Qualitätsoffensive nennenswerte Verbes-serungen nicht möglich sein.

Dieses Thema soll Gegenstand einer weiteren, eingehenden Analyse in einer der kommenden brs1 Ausgaben sein.

Harald Kuhn
Interessenverband Berliner Schulleitungen e.V. (IBS)